Büroarbeit in Coronazeiten

Büro-Arbeit in Coronazeiten

Bericht von Hildegard Freitag

März 2020. Das Büroleben bei der DB Netz AG wird heruntergefahren. Zum Glück sind alle bei uns mit Laptop versehen und kennen die Arbeit von daheim aus, bessergesagt vom „selbstdisponierten Arbeitsort“ (dafür gibt es bisher noch keine Abkürzung, wie wäre es mit Selba?).

Wo dieser Arbeitsort ist, ist erst einmal egal: Am Tisch, im Bett, in Selb, Buxtehude oder am Wohnort. Der Internetempfang sollte zumindest vorhanden sein. Und ein Stromanschluss zum Laden des Laptops. Das dürfte bei einem mehrstündigen Aufenthalt im Biergarten oder am Waldesrand kritisch werden.

Besprechungen werden über Teams wahrgenommen. Jeder schaltet sich zu. Günstig ist es, wenn man sich zumindest am Beginn über Kamera zeigt. Damit niemand erkennt, wo man gerade ist, kann man einen vorinstallierten Hintergrund auswählen oder eine Hintergrundbild eigener Wahl. So könnte ich in meinem Lieblingscafé sitzen und ein Foto davon als Hintergrundbild wählen. Raffiniert!

Die Kamerafreigabe hemmt aber die weitere Datenübertragung, z. B. Excellisten, Präsentation usw.  Also aus damit. Das Mikrofon ist natürlich zur Begrüßung offen. Die Kirchenglocken in meiner Nähe mahnen dann auch zur vollen Stunde zu einem pünktlichen Besprechungsbeginn. Und dazu, das Mikrofon auszumachen oder das Fenster zu schließen.

Digitale Arbeit und die Moral

 Möchte ich es zugeben, falls ich mal woanders wäre? Oder darf ich aktiv zuhören, während ich Wäsche zusammenlege? Wäre ich die einzige, die sich unkonventionell verhält? Eher nicht.

Vor kurzem zeigte sich ein Kollege locker und entspannt grinsend im heimischen Sitzsack. Unser schallendes Gelächter bezog er erst gar nicht auf sich. Er hatte seine Kamera so eingestellt, dass nur der Kopf zu sehen war. Glaubte er zumindest. Erstaunt bewunderten wir Kopf und textilfreien Oberkörper. Sehr entspannt!

Die Wegezeiten bei Besprechungen entfallen. So könnten wir alle direkt nach einer Besprechung in die nächste produktive Aktivität starten. Wäre das aber sinnvoll, haben nicht auch Verteilzeiten einen wichtigen Erholungswert?

Also lasse ich zwischendurch den Blick aus dem Fenster schweifen oder inspiziere das Gärtlein – meine Augen und mein Hirn danken es mir. Oder begrüße kurz meine Nachbarin. Oder unterbreche selbstverständlich eine Besprechung, wenn die Kinder der Kollegen ihr Recht auf Betreuung einfordern. Ich finde es prima, wenn die kleine Johanna auf dem Schoß des Papas sitzend, mir zuwinkt und kurz etwas erzählt. Wie oft habe ich sonst Chance, die Kinder meiner Kollegen zu sehen?!

Wer unvermeidbarerweise im Büro aufschlägt, kontrolliert die Postfächer der anderen und gießt die Blumen. Das funktioniert richtig gut!

Zunehmend erwarte ich die Zeit mit weniger Corona-Einschränkungen, wenn wir zumindest abgespeckt wieder im Büro. „Abgespeckt“ bezieht sich übrigens auf die gleichzeitige Anzahl der anwesenden Kollegen. Für meine körperliche Verfassung brauche ich ein anderes Adverb.

Genauso freue ich mich, euch vom VBB wieder zu treffen, denn Anstoßen und „Dumm-Zeug-babbeln“ lässt sich am besten am selben Tisch.